Die Wikipedia nimmt in dreierlei Hinsicht Einfluss auf die Bildung:
- Die Wikipedia hat neue Redaktionskonzepte eingeführt, die sich in vielen Aspekten von herkömmlichen Konzepten unterscheiden. Schülerinnen und Schüler sollten wissen, wie das Redaktionssystem der wohl meistgenutzten Faktensammlung funktioniert und was es für die Informationsbeschaffung, besonders für die Bewertung der Inhalte bedeutet.
- Plagiate sind besonders an Gymnasien und Hochschulen heutzutage ein weit verbreitetes Problem. Plagiate entstehen oft, weil Lehrpersonen und Dozierende Arbeitsaufträge vergeben, die nicht mehr zeitgemäss sind. Und nicht mehr zeitgemäss sind die Aufträge, weil die Schülerinnen und Schüler die perfekte Lösung für den Auftrag in der Wikipedia finden. Konkret: Muss ein Schüler eine Zusammenfassung des Russlandfeldzuges von Napoleon schreiben, ist die Verlockung sehr gross, eben diese von Wikipedia zu kopieren und im besten Fall etwas abzuändern. Erhält der selbe Student aber den Auftrag, sich in die Haut eines Schweizers zu versetzen, der am Russlandfeldzug teilgenommen hat und darüber eine fiktive Geschichte zu schreiben, kann er nicht mehr so einfach plagiieren, muss aber die historischen Ereignisse kennen. Es braucht also neue Lehrkonzepte.
- Im Unterschied zu früher können wir heute dank dem Internet, der Wikipedia und Tablets & Co. sehr viele Fakten abrufen, wann und wo wir wollen. Das Bildungssystem ist aber weitestgehend nach dem Prinzip Just-in-Case aufgebaut, das heisst, Schülerinnen und Schüler lernen viel Inhalt für den Fall, dass sie ihn irgendwann mal benötigen. Das scheint mir heutzutage veraltet. Wir brauchen neue Bildungskonzepte. Die Schule kann heute nach dem Just-in-Time-Modell funktionieren, in dem wir Informationen eben dann abrufen, wann wir sie benötigen. Gefragt ist nicht mehr ein System, das sich an Inhalten orientiert (inhaltliche Schulfächer), sondern an Kompetenzen. Im Vergleich zu früher sollten wir heute deutlich mehr Kompetenzen im Umgang mit Informationen beherrschen, so benötigen wir nebst Kompetenzen zum Rezipieren auch solche zum Publizieren und zum Kommunizieren.